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Bikepacking – back to the roots

VON DER WILDNIS IN DIE ZIVILISATION UND WIEDER ZURÜCK! 

Nachdem die Menschen sich die Natur zu eigen gemacht haben und mehr oder weniger zivilisiert in Städten und Dörfern zusammenleben, sehnen sich mehr und mehr von uns wieder näher in Richtung Wildnis. Dabei reichen die „Abenteuer“ vom Wochenendausflug im Cabrio in die Berge bis zu einsamen Expeditionen in die entlegensten Orte unserer Erde. Ein relativ neuer Trend in diesem Segment ist das sog. Bikepacking. 

Bikepacking kann man definieren als die Synthese aus Radfahren und Rucksacktourismus. Es erinnert an die Freiheit mehrtägiger Wanderungen im Backcountry, abseits ausgetretener Pfade, verbunden mit der Reichweite eines Fahrrades. Im Kern geht es darum, nur mit dem Nötigsten an Ausstattung, allein oder in kleinen Gruppen, Mehrtagestouren abseits der bestehenden Infrastrukturen zu bestreiten. 

Das Entdecken entlegener Schotterwege und Pfade, das Campieren in der Wildnis sowie der Genuss der Einsamkeit und Ruhe stellen für viele einen sehr attraktiven Kontrast zum Alltag dar. Doch sind diese Abenteuer, trotz immer besserer Ausrüstung und eingänglicher Ratgeber, auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Eine Panne oder gar Verletzung hat direkt schwerwiegendere Folgen als in der Stadt oder auf gesicherten Radwegen, wo ständig potenzielle HelferInnen vorbeikommen. Hinzu kommt der Umgang mit der Natur, der gelernt sein sollte, damit man durch das persönliche Vergnügen keinen Schaden anrichtet.  

Um euch den Einstieg ins Bikepacking zu erleichtern haben wir in diesem Blog die wichtigsten Schritte hin zu eurem ersten Abenteuer dargestellt und uns überdies mit Leona eine wahre Expertin auf dem Gebiet mit ins Boot geholt. Enjoy!

PLANUNG

Wie in den meisten Lebenslagen geht nichts über eine vernünftige Planung. Angefangen bei der richtigen Route, über die Ausrüstung, ausreichender Versorgung bis hin zur Wetterlage kann man sich über viele Dinge Gedanken machen. Grundsätzlich ist es von Vorteil, in hochwertige Ausrüstung zu investieren, sowohl hinsichtlich der Qualität als auch mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit. Jedoch ist es sicherlich keine Notwendigkeit, um loslegen zu können. Darauf gehen wir aber im nächsten Abschnitt noch gesondert ein.

Bezüglich der Route empfiehlt es sich, erstmal in einem relativ sicheren Rahmen zu starten und das Setting sowie die eigene Affinität für das Bikepacking zu testen. Dafür bietet sich insbesondere eine Übernachtungsroute in der Nähe des eigenen Zuhauses an. So findet man am besten heraus, was man wirklich braucht und wie sich weitere Abenteuer anfühlen werden. Zusätzlich kann es hilfreich sein, auch mal in einer kleinen Gruppe zu starten, am besten mit erfahreneren BikepackerInnen. Sobald man sich dann in unbekanntere Gefilde bewegt, ist ein GPS-Gerät sehr empfehlenswert. Zahlreichen Routenvorschläge mit markierten Übernachtungsplätzen finden sich u.a. bei Komoot.

Auch wenn man das Wetter nicht immer vorhersagen kann, so hilft es doch den Wetterbericht zu konsultieren und erstmal bei stabilen Verhältnissen loszulegen. Am Ende schadet es auch nicht, wenn man sich einen Plan B zurechtlegt, sollte man wider Erwarten in Schwierigkeiten geraten. Zumindest ein geladener Handyakku und eine zusätzliche Powerbank sollten immer dabei sein.

AUSRÜSTUNG

Ein für viele EinsteigerInnen heikles Thema ist die Ausrüstung. Man lässt sich gerne beeinflussen von den Bildern, die einem in den Medien begegnen, höchste Professionalität vermitteln und nicht zuletzt dadurch hohe Kosten suggerieren. Natürlich kostet die Ausrüstung Geld, aber es gibt in jedem Fall verschiedene Lösungen für die unterschiedlichsten Geldbeutel. Zu beachten sind neben der Funktionalität generell das Gewicht, die Wasserdichtigkeit und die Flexibilität der einzelnen Komponenten.

Die wichtigste Grundlage bildet ein stabiles und gut eingestelltes Fahrrad. Ob Gravel-, Mountain- oder Trekkingbike sollte in Abhängigkeit der Tourenplanung entschieden werden, spielt aber grundsätzlich eine untergeordnete Rolle. Außerdem sollte man zumindest eine Idee davon haben, wie die einzelnen Komponenten, vor allem die Bremsen und das Schaltwerk, funktionieren, damit man bei Bedarf eine Reparatur durchführen kann.

Zweites wichtiges Thema ist der Transport. Die benötige Ausrüstung muss vernünftig verstaut werden und sicher von A nach B kommen. Hier stehen verschiedene Taschen zur Auswahl (Satteltasche, Rahmentasche, Lenkertasche, Stem Bag, Oberrohrtasche etc.), die mehr oder weniger beliebig kombiniert werden können. 

Die zahlreichen Taschen werden beispielsweise gefüllt mit Verpflegung, Wechselklamotten, Jacken und Co., einer mobilen Küche, der eigenen kleinen Werkstatt, einer Apotheke und Elektronik. Die konkrete Ausstattung kann dabei, in Abhängigkeit der Route sowie der persönlichen Gepflogenheiten, unterschiedlich ausfallen. Hinzu kommt ein Schlafsystem, das entsprechend den eigenen Anforderungen ausgewählt werden muss. Neben Schlafsack und Isomatte stehen Zeltlösungen zur Verfügung, die mittlerweile auf die Anforderungen des Bikepackings angepasst wurden. Eine vollständige Übersicht der gängigsten Ausrüstungsgegenstände findet ihr bei Simple-bikepacking oder bei Leona, die auch mit etwas weniger auskommt. 

Bikepacking Gepäck

LEBEN IN DER NATUR

Ähnlich wie beim Wandern im Sommer oder auf Skitouren im Winter begibt man sich beim Bikepacking in teilweise recht unberührte Gebiete. Allerdings bedeutet eine reduzierte direkte Nutzung durch uns Menschen nicht, dass die Flächen keine wichtigen Funktionen erfüllen. Häufig gelangt man auf solchen Touren in Nationalparks, Reservate oder Schutzgebiete, die für Tiere und Pflanzen wichtige Rückzugsorte bedeuten und dabei die Biodiversität erhalten und fördern. Entsprechend sollte man die geltenden Regeln beachten und die Natur sowie deren Bewohner respektieren. Dies reicht von der Nutzung der bestehenden Wege und ausgewiesenen Übernachtungsplätze bis hin zum Umgang mit den anfallenden Abfällen. Zudem sollte der Lärmpegel soweit möglich reduziert werden, besonders in für die Fortpflanzung der Tiere sensiblen Monaten. Nur so erhält man die Natur und dessen Schönheit und schafft die Akzeptanz für einen relativ jungen Trend wie das Bikepacking. 

INTERVIEW mit Leona / Heimatnomadin

1) Liebe Leona, du bist seit einigen Jahre als Bikepackerin unterwegs. Was hat dich dazu bewogen, das Abenteuer abseits der Straßen und üblichen Wege zu suchen und mit dem Bikepacking zu starten?

Das Radfahren war für mich schon immer mein persönlicher Ausdruck von Freiheit. Nur hier kann ich so richtig abschalten und mich irgendwie richtig leben lassen. Was mit dem Rennrad, den Langdistanzen und den Brevets, langen Fahrten durch die Nacht und über alle Berge begonnen hat, entwickelte sich mit der Anschaffung eines Gravelbikes dann schnell zur großen Bikepackingliebe off-road. Zuvor war ich bikepackend einfach auf der Straße unterwegs, doch das wurde mir irgendwann auch einfach zu voll und ich fühlte mich nie nah genug an der Natur dran. Nicht zu wissen, wo man abends schlafen wird, fernab von jeder Zivilisation und eins mit der Natur zu sein, an seinen eigenen Grenzen wachsen zu können und einfach so simpel wie möglich unterwegs leben zu können, das macht für mich zusätzlich einen großen Reiz aus und macht mich immer wieder aufs Neue sehr, sehr glücklich. Auch dann, wenn ich eigentlich nur für eine kleine Zweitagestour hinter der Haustüre und ab in meine Wahlheimat, dem Schwarzwald, losziehe und es nicht die große Mehrtagestour ist. Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein, und das lehrt einen das Bikepacken immer wieder aufs Neue. 

2) Was war dein bisheriges Highlight beim Bikepacking? 

Puh, da gibt es einige. Begonnen von meinem Ritt über die ehemalige deutsche Grenze, der berüchtigten „Platte“ des Kolonnenwegs der bekannten Grenzsteintrophy, bis hin zu meiner Durchquerung Frankreichs auf eigene Faust und durch die spannenden, entlegenen französischen Gebirge gibt es da schon einige. Beide Touren zählen hier zu absoluten Highlights, da ich währenddessen einfach sehr an meinen Erfahrungen dort wachsen durfte und sie mich immer noch bewegen und bereichern.

Dennoch liegen die Highlights auch im Kleinen: bspw. dann, wenn ich unerwartet doch noch einen unfassbar schönen Hängemattenspot nach einem langen Tag im Sattel finde oder, wenn die Wolken- und Nebeldecke am Berg, nach stundenlangem Unterwegssein in Regen und/oder Siff, endlich aufreißt. Ebenfalls nicht zu vergessen: tiefgehende Begegnungen mit den Menschen, die ich unterwegs treffe und die wahre Herzensöffner sind. Manche Kontakte pflege ich bis heute & schätze diese sehr. 

3) Was darf bei dir in Sachen Ausrüstung keinesfalls fehlen? Worauf kannst du getrost verzichten?

Niemals fehlen darf mein kleines Schwarzwaldtrailglöckchen: eine kleine Bimmel in Kuhglockenform, die vorn an meinem Lenker befestigt ist und mich treu bimmelnd begleitet. Eigentlich als Warnung für Wanderer:innen auf den Trails & Wegen und Klingelersatz gedacht, ist sie mittlerweile ein kleiner Talisman geworden. Meine Hängematte ist ebenfalls Gold wert – noch mehr aber mein Poncho, der auch als Tarp genutzt werden kann und mich schon bei so manchem Regenguss „vorm Wegschwimmen“ gerettet hat. Ich liebe auch meine Tasse Tee am Morgen und was Warmes abends im Topf auf meinem Campingkocher. Dieser ist jedoch (vor allem im Sommer, im Winter sieht es schon anders aus) kein Muss – es geht auch ohne und dann eben noch ein wenig spartanischer. Verzichten kann ich sehr gut auf jegliche Technik (bspw. Tacho), die mir lediglich Zahlen & Werte bringt. Die interessieren mich unterwegs nämlich eher kaum bis gar nicht. 

4) Du engagierst dich mittlerweile in einem Verein zum Thema Bikepacking. Was kannst du uns darüber erzählen? 

Der Bikepacking-Deutschland e.V. Verein hat sich erst vor einigen Monaten gegründet und setzt sich vor allem dafür ein, dass bestehende Bikepacking-Fahrten, die von privater Seite aus veranstaltet werden, auch weiter fortbestehen können. Wir sorgen dafür, dass sowohl die Organisator:innen der Fahrten als auch die Teilnehmer:innen während der Fahrt rechtlich versichert und in Schadensfällen abgedeckt sind. Dies ist von privater Seite aus nämlich kaum mehr zu stemmen und es wäre schade gewesen, wenn es viele dieser Fahrten aufgrund dessen in Zukunft nicht mehr gegeben hätte. Zusätzlich ist es uns ein Anliegen, ein solidarisches Netzwerk zu schaffen, in dem Bikepacking- Interessierte und -Begeisterte zusammenkommen können, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Das ist kein Muss, wäre aber schön, umzusetzen. 

Natürlich sind uns auch Themen wie Nachhaltigkeit & Naturschutz wichtig. Wir sind ein noch junger Verein und leben von den Ideen, die jedes Mitglied mitbringt. Letztlich wird der Verein sich dann genau in diese Richtung weiter entwickeln können. Daher: gerne Kontakt zu uns aufnehmen, sich mit einbringen & vor allem: Mitgestalten! Wir freuen uns darauf!

5) Welchen Tipp möchtest du potenziellen EinsteigerInnen explizit mitgeben?

Traut Euch & geht raus. Hätte ich all den Zweiflern von „wenn, dann“ oder „doch zunächst muss ich“ ein Ohr geschenkt oder mich auf die Ratschläge anderer verlassen, wäre ich heute wahrscheinlich immer noch nicht losgefahren. Es war also eine Reise bis hierher und ich lerne immer noch neu dazu, und das macht einfach Spaß ☺ Lasst Euch inspirieren, aber hört am Ende des Tages einfach darauf, was Euer Herz Euch sagt. Es kann viel „schiefgehen“ und passieren, ja – jedoch gibt es dann auch viel zu lernen und vor allem: Erfahrungen & Erinnerungen zu sammeln. Und die schönsten Erinnerungen entstehen meist durch die schwierigen, erst harten Tage, die vermeintlichen „Krisen“ unterwegs. Wenn es schwer fällt, loszuziehen, ein kleiner Reminder, der mir auch immer wieder hilft, wenn das Hamsterrad sich dreht:

Daran denken, dass alle Zweifel ohnehin wie weggeblasen sind, wenn man unterwegs ist, so riesig sie einem Zuhause noch erscheint haben mögen. ☺ 

Falls du weitere Informationen zum Thema Bikepacking suchst und zudem mehr über Leona und ihre Abenteuer erleben möchtest, findest du hier zahlreiche nützliche Infos und Erfahrungsberichte: https://heimatnomadin.com/ 

Gepostet 29.10.2021